
Brückenbauen – Drei Polizisten erleben mit Muslimen das Fastenbrechen

Um Verständnis für die in der Schweiz lebenden Muslimen zu schaffen, sind die Mitglieder des Kulturzentrums Anatolien in Olten mit einer Einladung zum gemeinsamen Fastenbrechen an die Kantonspolizei Solothurn gelangt. Unterstützt und initiert wurde das Projekt des gemeinsamen Fastenbrechens vom Institut für interkulturelle Zusammenarbeit und Dialog in Zürich. «Die direkte Begegnung ist die effektivste Art Menschen aus verschiedenen Kulturen und Religionen kennenzulernen», schreibt das Kulturzentrum in der Einladung.
Vom Nebeneinander zum Miteinander
Seitens der Kantonspolizei folgten Francesco Mauro, Urs Schmid und Harry Niggli der Einladung der Familien Karabas und Karatas und besuchte diese am 22. Juni 2016 in ihrer Privatwohnung in Olten. Es wurde gemeinsam gegessen und kommuniziert. Die Frauen Karabas und Karatas sorgten für das leibliche Wohl. «Für die intimen Einblicke in das Familienleben der sind wir dankbar», sagt Urs Schmid. War es doch für beide Seiten ein kleines Wagnis, dass sich im Rückblick jedoch gelohnt hat. «Die Polizei einladen und das gleich zum Projektstart war für uns ein harter Brocken», sagt Gökhan Karabas und schmunzelt: «Die Idee hatte ich weil ich den ehemaligen Kommandant Bürki Daniel der Stadtpolizei Olten privat kenne und sehr schätze. Wir waren erleichtert, dass die drei Polizisten in zivil zum Fastenbrechen kamen.» Bei einer Tasse Tee in den Räumlichkeiten des Kulturzentrums in Olten haben die Männer den Besuch ein paar Wochen später Revue passieren lassen. Diesmal erschienen die Polizisten in Uniform. Die drei Korpsangehörigen berichteten, dass sie vor allem beeindruckt waren von der Disziplin der Muslimen während der Fastenzeit. «Es gibt in dieser Zeit keine Glace für die Kinder, auch wenn der Tag noch so heiss ist», reflektiert Schmid.
Zeit für den Dialog
Der Kulturverein Anatolien in Olten bleibt aktiv, um den interkulturellen Dialog zu fördern. So stossen regelmässig stattfindende Kochkurse auf reges Interesse und im nächsten Jahr werde eine Einladung zum Fastenbrechen an Pflegepersonal verschickt. Der Austausch mit der Kantonspolizei Solothurn soll weitergelebt werden. Eine Gegeneinladung zur Besichtigung der Alarmzentrale in der Schanzmühle steht. Und seitens des Kulturzentrums heisst es: «Wir wünschen uns, dass sich weitere Polizisten bei uns melden, um mit uns im kommenden Jahr gemeinsam das Fastenbrechen zu erleben», so Gökhan Karabas.
**Ramadan:** Vom 6. Juni bis 4. Juli 2016 war für Musliminnen und Muslime Fastenzeit. Mit der Dämmerung beginnt der Fastentag. Auf alles, was dem Körper zugeführt wird, wird verzichtet: Speisen, Getränke, Rauchen. Das Fasten wird nach Sonnenuntergang gebrochen. Traditionell wird als erstes eine Dattel gegessen oder Wasser getrunken. Jede Familie hat ihre eigenen Bräuche. Im kommenden Jahr startet Ramadan 11 Tage zurückverschoben – also am 25. Mai 2017. Der Anatolien Kulturverein in Olten wird während dieser Zeit wieder zum Fastenbrechen einladen.
Impressionen

Gesprächsrunde: Gökhan Karabas (Sprecher Kulturzentrum Anatolien) und Fatih Karatas (StV. Präsident Kulturzentrum Anatolien), von der Kantonspolizei Harry Niggli, Francesco Mauro und Urs Schmid, Ramazan Özgü (Geschäftsleiter Institut für interkulturelle Zusammenarbeit und Dialog in Zürich).
