Stiftung Lernforum
Von wegen Kulturkampf

Von wegen Kulturkampf

Solothurner Zeitung
21. September 2026
Dulliken
Solothurner Zeitung
Solothurner Zeitung
21. September 2026, Dulliken

In Dulliken erhielt die interkonfessionelle Komponente des Bettags einen erweiterten Rahmen. Am Sonntag feierten diverse Religionsgemeinschaften in der Zwinglikirche gemeinsam. Unter der Leitung von Pfarrer Sascha Thiel waren Vertreterinnen und Vertreter der Stiftung Lernforum, des muslimischen Vereins Al-Rahman, des buddhistischen Khmer-Zentrums Walterswil, der buddhistischen Jugendvereinigung Thin Trí, des Hindutempels Trimbach und der Baha'i Olten anwesend. Eingeladen hatte die Regionalgruppe Olten des Runden Tischs der Religionen.

Zusammenhalt seit dem Kulturkampf

Was wie ein eidgenössisch verordneter Feiertag zum Beten tönt, hat einen starken politischen Hintergrund. Dass an jedem dritten Sonntag im September der Bettag begangen wird, geht auf den Kulturkampf zwischen Katholiken und Reformierten im 19. Jahrhundert zurück. Um die Gräben zuzuschütten und das «allgemeine Nationalgefühl» zu beleben, sollte die Bevölkerung einen neuen staatlichen Feiertag erhalten. 1832 einigte sich die Tagsatzung auf dieses Datum.

Laut der kantonalen Religionskoordinatorin Julia Vitelli hat sich die Religionslandschaft seit den Zeiten des Kulturkampfs zwar verändert. «Der Bedarf an Verständigung, Besinnung auf das Gemeinsame und religiösem Frieden hat aber weiterhin Bestand.»

Gemäss Sozialgesetz führt der Kanton eine Anlauf- und Koordinationsstelle für Religionsfragen mit dem Ziel, den interreligiösen Dialog zu fördern, um das gegenseitige Verständnis zwischen den Gemeinschaften zu verbessern. «Anlässe wie dieser verfolgen solche Anliegen und sie zeigen der Bevölkerung, wie der interreligiöse Dialog vor Ort gelebt wird», sagt Vitelli.

Dank mehr Chancengleichheit und Integration würden davon alle profitieren. Zugleich kann der Kanton laut der Religionskoordinatorin von den Gemeinschaften Leistungen einfordern. Es sei wichtig, dass der Kanton darum bemüht ist, die Bedürfnisse der Angehörigen religiöser Minderheiten besser zu decken, um eine positive Bindung zum Staat und den vorherrschenden Grundwerten zu erzeugen. Ziel müsse es sein, dass Politik und Behörden die Gemeinschaften als Gesprächspartner ernst nehmen.

Auch in Solothurn ein ganz normaler Feiertag

Seit 2008 gibt es im Kanton Solothurn den Runden Tisch der Religionen. Ziel ist es, den Austausch und die Verständigung zwischen den verschiedenen Gemeinschaften zu fördern. Derzeit vertreten sind neben den christlichen Kirchen Mitglieder des Alevitentums, Buddhismus, Hinduismus und des Islams. Vertretungen der Bahá'í, des Judentums und der Sikhs fehlen derzeit. Nebst dem kantonalen Gremium gibt es Regionalgruppen in Grenchen, Olten und Solothurn, die autonom Veranstaltungen durchführen.

Übrigens: Auch im Kanton Solothurn war der Bettag über Jahre hinweg ein Politikum. 2005 hatte die Stimmbevölkerung die Abschaffung des Bettags als hohen Feiertag wuchtig abgelehnt. Knapp zehn Jahre später war es so weit. Mit Unterstützung der FDP und des Gewerbeverbands wurde aus dem Solothurner Bettag mit Veranstaltungsverboten ein ganz normaler Feiertag.

Impressionen

Der Runde Tisch der Religionen organisiert zum Bettag einen interreligiösen Anlass in der Zwinglikirche in Dulliken. V.l.n.r.: Bun Martin Kaing, Khmer-Tempel Walterswil; Subramaniya Muralithara Sarma, Hindu-Tempel Trimbach; Sascha Thiel, Pfarrer Zwinglikirche Dulliken; Sovann Suy, Khmer Kulturzentrum Walterswil; Fatma Karakaya, Präsidentin Stiftung Lernforum; Mozghan Golzar, Baha'i Olten; Kerem Adigüzel, Verein Al-Rahman; Rita Müller, Baha'i Olten.