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Integration ist mehr als nur Döner

Integration ist mehr als nur Döner

Stadtanzeiger Olten
17. Februar 2016
Olten
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17. Februar 2016, Olten

Ein heller Raum eingerichtet mit einer bequemen Sitzgarnitur aus der Türkei. An zwei Wänden hängen Wandbilder, die in Holzrahmen gefasst sind. Sogar einen Fernseher gibt es. «Das ist unser Begegnungszimmer, das Herz unseres Kulturvereins Anatolien Olten», erklärt Vereinssprecher Gökhan Karabas. Hier treffen sich Vereinsmitglieder und solche, die es werden wollen, zum gegenseitigen Gedankenaustausch. Ob hausinterne Schulungen zur Integrationsförderung, gemeinsame Computerspiele mit Kindern und Jugendlichen oder literarischer Austausch. Hier ist für jeden etwas dabei. «Was können wir tun, um uns besser zu integrieren? Das ist die Frage, die wir, ob gross oder klein, untereinander regelmässig diskutieren und nach Antworten suchen».

Vereinsgründung am Nationalfeiertag Mit dem Ziel, kulturelle Barrieren zu durchbrechen und das friedliche Miteinander zu fördern, wurde der Verein am 1. August 2013 gegründet. Das der Tag der Vereinsgründung auf den Nationalfeiertag der Schweiz fiel, scheint ein purer Zufall zu sein. «Als jemand mit türkischem Hintergrund, der sich aber gleichzeitig auch als Schweizer fühlt, ist es meine Aufgabe, mich für das interkulturelle Zusammenleben einzusetzen. Als Verein sind wir davon überzeugt, dass die Barrieren einzig und allein daraus resultieren, dass sich beide Seiten nicht oder zu wenig gut kennen», so der 30-jährige Familienvater Gökhan Karabas.

Name als Programm Beim Kulturverein Anatolien ist der Name Programm. «Anatolien bedeutet übersetzt «Mutter kultureller Werte in Frieden»», erklärt der gepflegte Brillenträger mit ruhiger Stimme. Für dieses angestrebte friedliche Zusammenleben organisiert der «Kulturverein Anatolien» verschiedene Veranstaltungen. «Neben dem gemeinsamen Fastenbrechen zu Ramadan können Interessierte durch Musikkurse das Spielen türkischer Musikinstrumente erlernen oder sich das Marmorieren von Keramik und Ton aneignen. Auch Lesungen werden durchgeführt. Den Möglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt», so Gökhan Karabas, der Mitglied der Fachkommission Bildung und des Gemeinderats der Stadt Olten ist, weiter. Das Wichtigste für ein friedliches Miteinander ist laut Gökhan Karabas, dass jeder Einzelne auf den andern zugeht und offen ist für etwas Neues. Gemeinsamen unternehmen die Vereinsmitglieder auch Reisen ins Ausland. «Wir haben bereits Kulturreisen nach Holland oder Bosnien unternommen», freut sich Doppelbürger Karabas. Damit soll der kulturelle Blickwinkel der Mitglieder erweitert werden.

Integration im Kindesalter Während sich Gökhan Karabas um die kulturellen Anliegen der Erwachsenen kümmert, ist Enes Atac für die Integration und Verhaltensstrukturen der Kinder und Jugendlichen zuständig. Der 28-Jährige studierte Religionspädagogik und Ethik an der Universität Zürich. «Integration beginnt bereits als Kind. Ich versuche den Kindern und Jugendlichen den richtigen Umgang mit den Eltern und untereinander zu vermitteln, was ich auch wöchentlich überprüfe», so Enes Atac. So gibt es beispielsweise eine Verhaltensliste mit den Punkten Ehrlichkeit und Respekt gegenüber den Eltern. Nach dem Motto «Jeden Tag eine gute Tat», wird auch das in der Liste vermerkt und von den Eltern unterschrieben, erzählt der Pädagoge. Als Belohnung erhält das Kind, das sich an die Vorgaben hält, ein Geschenk. «Das motiviert und fördert die Integration».

Frieden steht im Vordergrund Neben dem Kulturverein Anatolien in Olten hat die Gemeinschaft einen zweiten Standort in Gränichen (AG). «Unsere Tür steht für jeden, der will, offen. Wir wollen zeigen, dass im Islam Frieden im Vordergrund steht und Menschen aller Religionen mit- und nebeneinander leben können. Zum anderen ist Integration mehr als nur Döner», sagt Gökhan Karabas. Der bis dahin ruhige Karabas fängt an mit seinen Händen zu gestikulieren. Seine Stimme wird lauter und er beginnt, auf dem Sofa sitzend sich ruckartig von links nach rechts zu bewegen. Das Bild, das aktuell über den Islam verbreitet wird, stimmt den jungen Mann traurig. «Das, was da passiert, hat nichts mit dem Islam zu tun. Entweder sind die, die so etwas verbreiten, Menschen mit radikaler Gesinnung oder ihnen fehlt es grösstenteils an Bildung». Gemeint ist die Art und Weise, wie der Islam aktuell durch die extremen Islamisten verbreitet wird.

Mitgliederzahl - Tendenz steigend Dass der Kulturverein Anatolien erfolgreiche Integrationsarbeit leistet, zeigt sich am Zuspruch der Bevölkerung. «Immer wieder haben wir Personen, die zwar keine Mitglieder sind, aber regelmässig an unseren Treffen und Veranstaltungen teilnehmen», freut sich Gökhan Karabas. Seit der letzten Veranstaltung im Dezember verzeichne der Verein grossen Zulauf. Aktuell zählt er 45 Mitglieder. Tendenz steigend.

Impressionen

Gökhan Karabas und Enes Atac vom Anatolien Kulturverein

Gökhan Karabas und Enes Atac vom Anatolien Kulturverein

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